Die Zukunft der Bildersuche: Privatsphäre Vergangenheit?

Bereits heute ist Googles Software zu einem gewissen Grad in der Lage, Gesichter zu erkennen. Google verwendet dafür die Technologie von Neven Vision, ein Unternehmen, das Google 2006 gekauft hat. Picasa, Googles Software zur Fotobearbeitung, nutzt die Technologie bereits; damit kann man einem Gesicht einen Namen zuweisen und Google erkennt weitere Fotos dieser Person.

Google formuliert es so:

Instead of tagging your photos individually, you can quickly identify and label many photos with one click.

  1. Name tags helps you automatically find similar faces in your photo collection. All you have to do is enter a name or choose from your contacts.
  2. Once you’ve named the people in your photos, you can do things like sort your photo collection by person, create custom slideshows, and easily share photos with the people in your albums.

Wie man bei Pandia Search Engine News lesen kann, ordnet Picasa zwar hin und wieder ein Bild falsch zu, im Großen und Ganzen funktioniert das Name Tagging aber recht gut.

In die Bildersuche ist diese Funktion noch nicht implantiert, ich bin mir aber sicher, dass Google daran arbeitet, Bilder (wie auch Video und Audio) indexierbar zu machen. Die Technologie der maschinellen Gesichtserkennung, die auch von Überwachungskameras eingesetzt wird, ist inzwischen recht weit fortgeschritten – und wenn man das Gesicht einer Person identifizieren kann, warum sollte man dann nicht einen Baum, einen Stuhl oder einen Hund als solchen benennen können? Ein ausgefeilter Algorithmus der Bilderkennung wäre auch in der Lage, Duplikate zu erkennen. Das alles benötigt sehr viele Verarbeitungsressourcen, was aber immer weniger ein Problem ist. Sicherlich wird die Entwicklung noch Zeit brauchen, aber prinzipiell ist es möglich.

Heute setzt Google das Image Labeling ein, bei dem User die Bilder der Google Bildersuche mit Schlagwörtern versehen. Dies könnte später eine der Datenquellen sein, auf denen eine automatische Bilderkennung aufbaut. Auch in Social Networks sind viele Fotos mit Schlagworten versehen, User taggen ihr Picasa-Webalbum und Websites liefern zusätzliche Daten. Weil derzeit immer mehr User Foto-Alben im Internet anlegen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass auch du auf einigen der Bilder zu sehen bist.

Privatsphäre: bald Vergangenheit?

Wenn man heute in der Google-Bildersuche nach einem Namen sucht, findet man nur die Bilder, die den Namen in Textform enthalten. Wenn man zufällig von hunderten Touristen fotografiert wurde, während man auf der Spanischen Treppe in Rom saß, bleibt man anonym – weil der Name im Text nicht auftaucht. Was, wenn sich das ändert?

Urlaub ’99 am FKK-Strand – irgendein Urlauber hat Fotos gemacht und sie ins Netz gestellt. Du bist drauf, wie jeder mit einer kurzem Suche feststellen kann. Bilder der letzten Demo, die den (zukünftigen) Arbeitgeber nichts angehen, sind ebenso zu finden wie die von der Party, auf der du ein bisschen zu viel getrunken hast. Ein Unbekannter sieht dich auf einer Party und will mehr über dich erfahren. Kein Problem, er muss dich nicht einmal ansprechen: er macht ein Foto von dir und bald weiß er, in welchen Communities und Vereinen du aktiv bist, wie alt du bist, dass du vor einem halben Jahr einen Ski-Unfall hattest, er kennt deine Familie, deine Freunde, deinen Beruf, deine Adresse. Denn aus dieser Technologie eine Suchmaschine zu entwickeln, in die man ein Bild einer Person hochlädt und daraufhin weitere Bilder und Informationen über diese Person bekommt, ist nur noch ein kleiner Schritt.

Immer mehr Kameras sind mit GPS und Uhrzeit ausgestattet, so dass die Bilder automatisch mit Ort und Zeit getaggt sind. Wo war dein Freund letzten Samstag Abend, als er angeblich für die Uni lernen musste? Wo haben Maiers ihren Urlaub verbracht? Wo verbringen die Angestellten oder Kollegen ihre Freizeit?

Unangenehm ist auch der Gedanke, dass die automatische Bilderkennung auch auf Google Street View Bilder angewendet werden könnte. Wenn man das nächste Mal nach seinem Namen googelt, findet man Street View Ergebnisse. Gleichzeitig stellt man sich die Frage, warum Google die Gesichter nicht unkenntlich macht, wenn es doch technisch möglich ist? Die Antwort liegt in Googles Vision: alle Informationen der Welt zu organisieren. Anscheinend gehört dein Gesicht und deine Privatsphäre auch dazu.

Wie gesagt: noch ist das düstere Zukunftsmusik, aber gar nicht so fern, wie es zunächst klingt. Der Kampf um Daten und Informationen, um informationelle Selbstbestimmung und Privatsphäre hat jedoch längst begonnen. Wir haben es nur noch nicht verstanden.

Foto oben: RecoilRick, CC-Lizenz.