Externe Links vs. Black Hole SEO: Linkjuice und die User

Schwarzes Loch (Quasar)Black Hole SEO” nennt Quadzilla eine SEO-Technik, bei der der Linkjuice einer sehr großen (starken) Website zufließt, dort aber nicht mehr herauskommt, weil die Seite keine Links auf andere Websites mehr setzt oder diese Links mit Nofollow versieht. Wenn Informationen zu einem neuen Thema benötigt werden, wird ein entsprechender Artikel geschrieben, statt auf bestehende externe Quellen zu verlinken. Als Beispiele nennt Quadzilla Wikipedia und die New York Times. Während kleineren Websites oft empfohlen wird, auf Authorities zu verlinken, haben extrem starke Website seo-technisch keine Vorteile davon, selbst externe Links zu setzen. (gefunden via Internetmarketing-News)

Die Schaffung eines “Schwarzen Lochs” bringt Authorities zweierlei Vorteile: der Linkjuice bleibt intern und die Zahl der Seitenaufrufe steigt, letzteres wesentlich für Werbeeinblendungen. Diese beiden Aspekte möchte ich hier getrennt betrachten:

Die User-Sicht

Interessanterweise scheinen Besucher eher zu Websites zurückzukehren, die viel nach außen verlinken, als zu solchen, die das nicht tun. Dies steht entgegen der üblichen Versuche, den Leser im engen Gehege der eigenen Site zu halten, wird aber inzwischen durch eine kleine Studie gestützt. In dieser Auswertung von Nachrichtensites ist die Website mit der höchsten Wiederkehrquote eine, die praktisch nur aus Links auf andere Sites besteht, gefolgt von einem Blog, das ebenfalls viel nach außen verlinkt (via Handelblatt-Blog). Ob die ausgewerteten Websites eins zu eins miteinander vergleichbar sind, darüber kann man streiten, aber im Großen und Ganzen stimmt das mit meinen Beobachtungen überein. Aus User-Sicht wäre ein Schwarzes Loch demnach nicht erwünscht.

Die SEO-Sicht

Wesentlich ist, dass “Black Holes”, wie Quadzilla auch schreibt, nur dann entstehen, wenn die betreffende Seite genug Power hat. Schwächere Seiten haben vor allem Nachteile davon:

Fehlende eingehende Links

Wer selbst wenig nach außen linkt, den verlinken auch andere kaum. Bei den “Großen” sieht das anders aus, die werden ohnehin verlinkt, dabei sind aber Faktoren im Spiel, die direkt mit ihrer Reichweite zusammenhängen und die man in dieser Form nicht unmittelbar nachstellen kann (Beispiel: Wenn Spiegel Online in die Blogosphäre pupst, bloggen gleich alle darüber.)

Links, Nofollow und das Ranking

Es gibt zumindest Hinweise darauf, dass (ausgehende) Nofollow-Links auf der eigenen Seite negative Auswirkungen auf das Ranking haben könnten und dass ausgehende Links auf gute, weiterführende Seiten ein positiver Ranking-Faktor sein können (Stichwort Link Hub). Fünf gute Gründe für Dofollow-Links nennt zum Beispiel Fabian Drescher.

Ob, in welchen Fällen und wie stark sich sich diese Faktoren auswirken, muss man selbst herausfinden. Plausibel wäre ein Malus aufgrund der (ausschließlichen) Verwendung von Nofollow schon – allerdings: Man kann annehmen, dass das nur für kleine Seiten gilt; echte Authorities bringt das (zur Zeit) sicherlich nicht ins Stolpern. Sollte Google allerdings zu der Ansicht kommen, dass die Serps zu einseitig werden, weil bei zu vielen Suchanfragen die selben Domains zu finden sind, werden sie vermutlich ein paar Schrauben am Algo drehen.

Ein lesenswerter Artikel über das Setzen von Links im Online-Journalismus ist übrigens “Project Xanadu, Reloaded” bei Telepolis, einer der wenigen Online-Zeitschriften, die immer viel auf andere Quellen verlinkt.

6 Kommentare

  1. Geschrieben am 22. September 2008 um 18:58

    Die Theorie, ausgehende Links auf weiterführende Seiten wirken sich positiv aus, kann ich aus meiner Praxis bestätigen. Zwar ohne empirischen Anspruch, aber über mehrere Artikel hinweg. Kurzum: Beiträge, die häufig relevant(!) verlinken, bekommen zumindest einen höheren PR. Ob sie nun auch besser ranken, vermag ich nicht zu sagen. Als Nicht-SEO schaut man da nicht so intensiv nach ;-)

    Was die sogenannten Authorities angeht: Verlinkung von SpiegelOnline & Co. versuche ich möglicht zu vermeiden oder setze die Links auf Nofollow. Wer mich (die Blogsphäre) nicht verlinken mag, der bekommt auch von mir keine Verweise. Relevante Inhalte gibt es in der Blogsphäre zu jedem erdenklichen Thema genug – und meistens gibt es sogar noch einen Trackback zurück.

    TC Stahls letzter Blogeintrag: Die undemokratische Fratze zeigte sich in Köln

  2. Geschrieben am 22. September 2008 um 22:09

    Ich finde die Analogie cool mit dem schwarzen Loch.
    Und das mit der Einseitigkeit finde ich auch. Ich finde es kommt bei zu vielen Suchergebnissen Wikipedia. Das kann manchmal ganz schön nerven.

  3. Luchsus
    Geschrieben am 23. September 2008 um 00:55

    Ja, ich verlinke auch lieber innerhalb der Blogosphäre.

    Was Wikipedia betrifft, die beobachtete ich sowieso mit stärker werdendem Misstrauen (was erst mal nichts mit SEO-Aspekten zu tun hat, sondern mit einigen bedenklichen Artikeln und dem internen Vorgehen der “Wikipedianer”…).

    Längerfristig ist es sicherlich im Interesse der Suchenden (und damit auch in Googles Interesse), dass nicht nur einige große Seiten im Index auftauchen.

  4. Geschrieben am 10. October 2008 um 09:47

    Ist wirklich interessant dieser Artikel. Daß dieses Phänomen, das ja wohl auch die meisten WordPress Blogs betrifft, die sich mit dieser Problematik nicht auseinandersetzen (wollen), Black Hole heißt, wusste ich nicht. Wer davon weiß und trotzdem nichts ändert ist in meinen Augen vor allem ein Geizkragen.

  5. Geschrieben am 11. May 2009 um 10:53

    Interessanter Beitrag… Ändert die Sichtweise bei mir etwas :-)

  6. Geschrieben am 31. May 2009 um 10:47

    Die gängige Praxis nur Links einzusammeln, aber keine qualifizierten wieder in andere Richtung abzugeben, finde ich auch bedauerlich und unklug. Letztendlich profitieren davon nur die großen Sites, die auch fast ohne Backlinks gut performen.

    Schrecklich finde ich die derzeitigen SERPs im Hinblick auf anstehende Änderungen bei der Ausgabe. Die angesprochene Wikipedia ist ja mittlerweile eine Instanz im Netz; die braucht man zunehmend weniger auf Rang 1; Cylex und die ganzen anderen Telefon- und Branchenbücher mit Pseudoinhalten sind mir auch ein Dorn im Auge. Was bedeutet das denn für die Tendenz in Richtung gruppierter Inhalte (ein wenig News, Bilder, Videos und Adressen)… die normalen Seiten kommen nicht mehr nach vorn. Nur noch die Top3 zählen.

    Man darf gespannt sein, wie Google oder die neuen Wettbewerber dieser Monokultur begegnen wollen? und vielleicht auch werden… Vielleicht in dem Sie von den kleineren Sites immer mehr Adwordsschaltungen erwarten…

    Man darf weiterhin gespannt sein in dieser netten SEO-Welt.

Ein Trackback

  1. [...] Ihr habt’s gemerkt: 1gramm.de hat jetzt eine echte Startseite mit vielen bunten Meerestierchen – und sogar ein Motto (siehe Header). Darüber hinaus habe ich mich erinnert, dass ich ja mit zweitem Namen Mutter Teresa heiße und das dofollow-Plugin für Kommentare wieder aktiviert (schöne Grüße an meine Freunde von der Texter- und Journalisten-Fraktion: Ich habe so ein Firefox-Addon, das zeigt mir nofollow-Links rosa unterlegt an. Diese rosa Wüsten da bei Euch, das sind ja alles schwarze Löcher. Manchmal denke ich wirklich, Ihr wisst ganz genau, was Ihr tut). [...]