Google-Statement: Schreibt eure dynamischen URLs nicht um

Im Google Webmaster Central Blog gibt es Interessantes zu dynamischen versus statischen URLs. Google macht bei diesem Thema eine 180 Grad Wende und empfiehlt jetzt dynamische URLs.

Zunächst weist Google darauf hin, das zwei immer noch beliebte Mythen nichts weiter als das sind: Mythen.

  • Der Mythos “Dynamische URLs können nicht gecrawled werden” ist Unsinn.
  • Der Mythos “Dynamische URLs sind okay, wenn sie weniger als drei Parameter haben” ist Unsinn. Google hat keine Probleme mit dem Crawlen dynamischer URLs.

Das dürfte inzwischen wirklich jeder SEO wissen. Interessanter sind Googles Aussagen zum Umschreiben von dynamischen URLs in statische.

Google rät, es “zu vermeiden, eine dynamische URL zu reformatieren, um sie statisch aussehen zu lassen”, schlägt statt dessen vor, dass man die dynamischen URLs so belässt oder statische Kopien der dynamischen Seiten erzeugt und nur diese Kopien zugänglich macht. Weiter heißt es: “Wenn du jedoch URL-Rewriting verwendest (statt eine Kopie des Contents zu machen) um statisch-aussehende URLs aus einer dynamischen Seite zu erzeugen, könnte es sein, dass du eher Schaden verursachst als Gutes”. Ebenso: “Wenn du deine dynamische URL umwandelst, um sie statisch aussehen zu lassen, solltest du dir bewusst sein, dass wir vielleicht nicht in der Lage sein könnten, die Information in allen Fällen korrekt zu interpretieren.”

Klingt erst mal beunruhigend, das folgende Beispiel macht dann aber etwas klarer, worum es geht: Es zeigt eine falsch umgeschriebene dynamische URL, die viele statische Seiten erzeugt, die der Bot erst durchackern muss, um dann festzustellen, dass sie alle denselben Inhalt haben. Dynamische URLs scheinen für den Bot einfacher zu analysieren zu sein.

SEOs dürfte ja bekannt sein, dass man Dublicate Content vermeiden sollte, und sie haben sicherlich auch die notwendigen Kenntnisse zum URL-Rewriting. Zudem verwendet man in vielen Fällen Plugins bzw. Extensions, um statische URLs zu erzeugen. Probleme kann es wohl geben, wenn Leute am Rewriting rumfummeln, die entweder davon oder von SEO keine Ahnung haben.

Und das Keyword in der URL?

Falls das Keyword in der URL überhaupt einen Effekt haben sollte, dann höchstens einen minimalen. Ich persönlich glaube nicht, dass es überhaupt (noch) ein Rankingfaktor ist. Google weiß ja auch, dass vor allem SEOs ihre URLs umschreiben und die Keywords darin unterbringen.

Einen indirekten Effekt kann eine umgeschriebene URL mit Keywords haben, wenn sie zum Beispiel in Foren oder anderswo als Linktext verwendet wird.

Also was tun? SEOs haben hier unterschiedliche Vorstellungen:

  • Search Engine Land rät dazu, von jetzt an dynamische URLs zu verwenden, die alten URLs aber so zu belassen wie bisher.
  • Search Engine Roundtable tendiert ebenfalls zu dynamischen URLs und meint zum “Rückumwandeln” der URLs: Es kommt drauf an.
  • Hobo dagegen empfielt, weiterhin URLs umzuschreiben, allerdings weniger aus SEO-Gründen, sondern vielmehr aus Usability-Gründen.

Ich selbst verwende weiterhin umgeschriebene URLs – die Gründe dafür liegen nicht bei den Suchmaschinen, sondern bei den Usern:

  • Google selbst schreibt, dass “statische URLs vielleicht einen leichten Vorteil in Bezug auf Clicktrough-Raten haben, weil User die URLs einfach lesen können”. Im Fall der Verwendung der URL als Linktext, beim “Hovern” eines Links, um die URL in der Statuszeile zu sehen, und eventuell auch in den Suchergebnissen haben die User im Falle “sprechender” URLs eine Vorstellung darüber, was sie erwartet. Im Idealfall macht die URL neugierig.
  • Es mag Zielgruppen geben, die von einer URL mit zig Parametern und unverständlichen Zeichenketten erschrecken. Sprechende URLs sind vielen sympathischer.
  • Es ist für User einfacher, eine besuchte Seite in der Adresszeile wiederzufinden.

Falls man aus irgendeinem einem Grund URLs ändern will, sollte man in jedem Fall mit 301 weiterleiten, so auch Google.

Fazit: Für Google muss man URLs nicht umschreiben, aber für die User kann es unter Umständen sinnvoll sein. Wenn man sie umschreibt, sollte man in der Lage sein, die genannten Probleme zu vermeiden.

Und nebenbei bemerkt: Auch das Google Webmaster Central Blog verwendet umgeschriebene URLs.

10 Kommentare

  • Tom

    Müssen jetzt alle SEO-Grundlagen-Tutorials umgeschrieben werden? Ich kann im Originalartikel kein wirkliches k.o.-Kriterium für die umgeschriebenen URLs entdecken. Vorerst wird bei mir mod-rewrite weiterhin eingesetzt. Da muss mehr als ein Blogbeitrag kommen, um diesen Schritt zu wagen.

  • Luchsus

    Ich würde auch nicht empfehlen, sie umzuschreiben. Allenfalls könnte man überprüfen, ob es irgendwo Probleme durch die Art der Umschreibung gibt; normalerweise achtet man da aber sowieso schon drauf. Ich könnte mir vorstellen, dass einige größere, ältere Seiten Probleme haben, weil da immer mal wieder was umgestellt wurde und inzwischen keiner mehr eine Übersicht über die Massen an produzierten URLs hat – aber, wie ich auch geschrieben habe, die Probleme entstehen eher durch unsauberes Arbeiten und nicht durch statische URLs.

    In den verlinkten Beiträgen wird übrigens auch auf mögliche Probleme durch plötzliches Ändern der URLs eingegangen.

  • Pingback: Google zu dynamischen URLs - Netgestalter

  • Man muss schon genau überlegen, welche Parameter rewritet werden sollen – von daher sind Googles Hinweise nicht verkehrt. Googles Fähigkeit, dynamische URLs zu analysieren hat in den vergangenen Jahren wohl auch soweit zugenommen, dass aus ihrer Sicht keine Notwendigkeit mehr besteht, statische URLs zu erzeugen. Auf der anderen Seite haben sich anscheinend wirklich viele User an sprechende URLs gewöhnt. Ich konnte das an einer Diskussion in einem meiner Foren erkennen, in welcher ein User seine häufigen Offtopic-Beiträge damit entschuldigte, dass nach dem Scrollen die Überschrift des Threads nicht mehr zu sehen sei. Ihm wurde dann von mehreren anderen – in Bezug auf Computer eher unbedarften – Usern entgegengehalten, dass diese doch auch in der Adresszeile stehe.

    Und was den indirekten Effekt von Keywords in der URL auf das Ranking anbelangt, den du beschrieben hast, würde ich diesen in Bezug auf Foren nicht unterschätzen – gerade dort wird öfters einfach nur mit der URL verlinkt

  • Ich werde trotzdem meine URls auch bei neuen Projekten umschrieben lassen. Wer verlinkt schon auf einer Parameter URL?

    Das ist ganz großer Käse.

    Baynados letzter Blogeintrag: Besser als iPhone: Das T-Mobile G1 mit Google Android

  • Für mich zählt hier der Benutzer, finde es auch seltsam von Google… wird nun auf Usability gesch…? Es geht nicht darum, dass ich nun Nachteile befürchte, sondern es ist eine Empfehlung gegen die Benutzer.

    Der Name: “xyz.com/darum-gehts-hier” ist nunmal viel informativer als “xyz.com/3276?=abcde”.

    Werde daher nichts umstellen und erstmal abwarten. Und ohnehin, wenn Google gegen den gesunden Menschenverstand handeln will (Usability) oder Leute rät dagegen zu handeln, dann ohne mich. Aber es ist vielleicht mal wieder viel SEO-Lärm um nichts.

    Kann mir aber auch kaum vorstellen, daß Google Leute absstraft, die im Sinne der Usability sprechende URLS verwenden, ob nun mit Mod-Rewrite oder 301. Und wenn doch, werd ich mit der Abstrafung leben müssen.

    Marcs letzter Blogeintrag: Flüge nach Indonesien

  • Pingback: Also doch OK: dynamische URLs - O tempora, o mores

  • Pingback: Statische URL vs. dynamische URL

  • Ich tendiere auch eher zu Hobo´s Meinung, denn rewriting hat natürlich nicht nur mit SEO zutun. Aus Sicht der Usability ist rewriting, vor allem bei Onlineshops Sinnvoll. Auch in den google Suchergebnissen sieht eine rewritete URL für den Benutzer besser aus und ich persönlich würde diese eher klicken wenn die restlichen Ergebnisse ansonsten ähnliche Inhalte vermuten lassen. Ich bin gespannt welchen Weg die Webmaster und Seo´s einschlagen werden.

  • Ich setze weiterhin URLs mit mod_rewrite ein:

    1. Sie sehen schöner aus
    2. Man kann sie sich leichter merken
    3. werden keywords in der URL bei google in den Ergebnissen hervorgehoben, was Vorteile bringen könnte.

    Simon