Schaden reziproke Links? Neues Yahoo-Patent gibt Hinweise

Es heißt oft recht pauschal, dass reziproke Verlinkung schlecht sei. Das ist so nicht richtig – aber sie kann schaden, wenn man es übertreibt. Wann das der Fall sein könnte, darauf lässt ein neues Patent von Yahoo schließen, das am 8. Januar 2009 veröffentlicht wurde.

Wann ist ein Link ein reziproker Link?

Das Yahoo-Patent versteht unter reziproker Verlinkung, dass zwei Websites einander gegenseitig verlinken, schließt aber auch trianguläre Verlinkungen mit ein (Website A verlinkt auf B, B verlinkt auf C, C wiederum auf A).

Im Patent ist dabei teilweise die Rede von Webseiten (“web pages”), teilweise von “Hosts”. Ich vermute, dass Yahoo auf verschiedenen Ebenen Berechnungen durchführen und deren Auswirkungen auf die SERPs testen wird.

Kleiner Ausflug in die Mengenlehre

Das Patent berechnet die Vereinigungsmenge und die Schnittmenge der Links der beiden Hosts A und B.

Reziproke Links im Yahoo-Patent

Hinweis: Die Ziffern bezeichnen keine Anzahl, sondern sind Bezeichnungen für einzelne Links.

A = (1,2,3,4)
B = (4,5,6)

Dann ist die Vereinigungsmenge A ? B = (1,2,3,4,5,6)
Die 4 wird dabei nur einmal geschrieben.

Die Schnittmenge ist: A ? B = (4)

Die Konzentration reziproker Links wird dann anhand des Verhältnisses von Schnittmenge und Vereinigungsmenge bestimmt. Das heißt: es gibt keine absolute Obergrenze an reziproken Links, die man haben darf. Die reziproken Links dürfen nur im Verhältnis zur Gesamtmenge der eingehenden Links eine relative Obergrenze nicht übersteigen.

Eine Website, die eine zu hohe Konzentration an reziproken Links aufweist, wird nach diesem Patent als “verdächtig” eingestuft und möglicherweise in den SERPs abgestuft.

Ein erstes Fazit:

  • Ein geringer oder durchschnittlicher Prozentsatz an reziproken Links ist OK. Ein hoher Prozentsatz an reziproken Links kann schaden.

Das Patent nennt aber Ausnahmen. Gründe für einen legitimen hohen reziproken Verlinkungsgrad sind zum Beispiel:

  • Reziproke Links sind OK, wenn sie themenrelevant sind.
  • Reziproke Links sind OK, wenn zum Beispiel mehrere Firmenseiten einander verlinken, weil sie zum selben Firmenkonglomerat gehören.

Während ich annehme, dass Suchmaschinen zu einem gewissen Grad in der Lage sind, Themenrelevanz zu erkennen, frage ich mich bei dem letzten Punkt, wie er umgesetzt werden soll und wo hier die Grenzen der Legitimität gesehen werden. Andererseits stelle ich mir die Frage, ob das in der Praxis eine Rolle spielen wird. Ein größeres Firmenkonglomerat sollte eigentlich auch eine größere Anzahl Links haben (eine halbwegs funktionierende Website und vernünftige Pressearbeit vorausgesetzt).

Das Patent nennt noch einen weiteren Punkt:

  • Wenn du Yahoo bist, musst du dir keine Sorgen machen, dass du in den Filter gerätst ;)

Erklärung: Einige Authority-Websites könnten auf eine “Positivliste” gesetzt werden, das heißt, sie würden auf keinen Fall als verdächtig eingestuft. Als Beispiel dafür nennt das Patent die Yahoo-Website selbst.

Ich frage mich, warum man der Ansicht ist, dass große Websites einen Bonus benötigen könnten und ihn zugleich verdienen würden. Entweder die Website ist sehr beliebt und wird oft verlinkt wird, dann läuft sie selbst mit vielen externen Links keine Gefahr, einen entsprechend hohen Prozentsatz an reziproken Links aufzubauen. Oder die Seite kauft ihre Links sowieso (kann man bei vielen mittelgroßen Websites beobachten), die sind dann auch nicht reziprok.

Automatischer Filter oder manuelle Reviews?

Offen bleibt, ob ein automatischer Filter greift oder ob die Websites von Quality Ratern überprüft werden. Ich denke, dass Yahoo (und jede andere Suchmaschine auch) versuchen wird, möglichst viel automatisch zu regulieren. Gerade bei größeren Websites muss man aber immer damit rechnen, dass ein Rater einen Blick auf die Seite wirft, und wenn eine automatische Überprüfung der Website ein orangenes Blinklicht aufleuchten lässt, wird das nur wahrscheinlicher. Die Seite sollte also auch einer menschlichen Überprüfung standhalten.

Das Patent ist zwar von Yahoo. Man kann aber davon ausgehen, dass das ganze bei Google nicht wesentlich anders aussieht. Man sollte also seine externe Linkstruktur unter die Lupe nehmen, um abzuschätzen, ob man wegen exzessiver reziproker Links in einen Filter fallen könnte.

3 Kommentare

  • Pingback: Ξ LINKLOAD vom 12.01.2009 Ξ UPLOAD - Magazin für digitales Publizieren Ξ

  • So ein Schwachsinn. Es ist doch zB ganz normal, dass sich eine kleine Website unter Freunden gegenseitig verlinkt.

  • Luchsus

    Naja, wenn eine Website nur 10 oder 20 Links hat, rankt sie sowieso nicht. Und wenn 200 Freunde und niemand sonst auf eine Site verlinken, sieht das schon ein bisschen komisch aus. Wie gesagt, ein gewisser Prozentsatz reziproker Links sind OK und wirklich völlig normal.

    Interessant könnte übrigens werden, wie sich das auf Blogs auswirkt. Allein durch die Trackbacks ist der Anteil reziproker Links hier deutlich höher – mal sehen, ob Themenrelevanz dabei greift.

    Sorgen machen würde ich mir deshalb aber nicht, weder Yahoo oder andere Suchmaschinen haben ein Interesse daran, Blogs in einen Filter zu werfen. Man sollte halt die Augen offenhalten und beobachten, was so passiert.