Jan 7, 2009
Zielgruppe: wer sucht nach welchem Keyword?

Zielgruppen-Tool von BruceClay.com: Screenshot
Ich habe heute ein spannendes neues Tool gefunden, das Alter und Geschlecht derjenigen angibt, die nach dem jeweiligen Keyword suchen: Search Engine Optimization/KSP von BruceClay.com. Warum ich das spannend finde?
Seine Zielgruppe zu kennen, ist das wichtigste überhaupt!
In vielen Fällen weiß man nicht viel über die User der Website. Man weiß, über welches Keyword sie kommen (”Möbel”), aber man weiß nicht, ob sie Studenten sind, die gerade ihren ersten (Single-)Haushalt gründen und knapp bei Kasse sind oder ob sie Familien im eigenen Haus sind. Mit Vermutungen kann man oft falsch liegen, was sich in einer niedrigen Konversionsrate ausdrückt. Deshalb halte ich immer nach Datenquellen Ausschau, die zu einem Gesamtbild über die User beitragen können. Die Informationen, die man daraus gewinnt, können Auswirkungen auf die Website selbst und auf das Marketing haben.
Direkte Folgen für die Website selbst:
- Jüngere Zielgruppen wollen anders anders angesprochen werden als ältere. Tonalität und Design der Website, aber auch die Inhalte selbst sollte man soweit wie nur möglich an der Zielgruppe ausrichten.
- Möglicherweise erkennt man, dass man verschiedene Zielgruppen hat: Schüler suchen nach einem Autor, weil sie dessen Buch in der Schule durchnehmen und
keine Lust haben, es zu lesenweitere Informationen darüber suchen und ältere Bildungsbürger suchen danach, weil sie sich etwas höhere Kulturins Regal stellenzu Gemüte führen wollen. Diese beiden Gruppen wollen nicht nur unterschiedliche Informationen, sie werden auch verschiedene Produkte kaufen (ein Interpretationsheftchen vs. die gebundene Geschenkausgabe). Wenn Frauen nach Kleidung suchen, suchen sie meist andere Kleidung als Männer.
Aber Vorsicht: nicht immer sind die Käufer die Konsumenten: Eltern kaufen für ihre Kinder ein, Frauen kaufen Socken und Hemden für ihre Ehemänner - apropos, man sollte aufpassen, dass man nicht zu sehr in Klischees abrutscht, wie ich es gerade tue. Aus den Daten kann man lediglich Tendenzen ableiten.
Für Werbetreibende:
- Wenn man Werbung macht, sollte man sie dort machen, wo die Zielgruppe ist. Man hat zwar immer zu wenig Daten, aber man kann die nutzen, die man hat. Werbung für eine Britney-Spears-CD macht man nicht in der Apotheken-Umschau.
- Es gibt bestimmte Produkte, die man nur an bestimmte Altersgruppen verkaufen kann (bzw. an bestimmte Altersgruppen nicht verkaufen kann). Ein Beispiel: Uberaffiliate Paul berichtet in Shoemoneys Blog darüber, wie er durch Werbung auf Facebook einige Tage lang bis zu 15.000$ einnahm, wo man Werbung spezifisch an verschiedene Altersgruppen richten kann. In seinem Fazit nennt er als Fehler:
I was caught in the moment and wasn’t thinking, just wanted to do as much as possible. For a day I was promoting scholarships to the entire network, not thinking that you have to 18 and in college to actually complete the offer.
Einschränkungen:
- Das Tool liefert nur für englischsprachige Keywords Daten. Vieles ist übertragbar, aber Nachdenken schadet nicht.
- Ich habe keine Angaben darüber gefunden, wo die Daten herkommen. Vielleicht habe ich nur Tomaten auf den Augen? Wenn jemand etwas darüber weiß, schreibt es doch bitte in die Kommentare.
Das Tool liefert noch weitere Angaben auf einen Blick, nämlich die Anzahl der Suchanfragen bei Google, Yahoo und MSN Live (und gesamt), CTR und CPC sowie drei thematische Kategorien, denen das Keyword zugeordnet wird.
Es ist sicher interessant, die daraus gewonnenen Daten mit anderen Datenquellen abzugleichen oder zu kombinieren und Schlüsse daraus zu ziehen. Google Insights for Search ist ein Tool, das mir da spontan einfällt.
Übrigens wird im selben Posting auf BruceClay.com noch ein weiteres Tool vorgestellt, die SEMToolBar, die auch ganz interessant aussieht. Ich bin noch nicht dazugekommen, sie zu testen, werde das aber sicherlich irgendwann nachholen.

Der Screenshot ist auch gleich ein recht anschauliches Beispiel, offensichtlich wissen Männer zwischen 25 und 50 häufig imer noch nicht, wie man Reis kochen muss ;)
(nicht ganz ernst gemeint, schließlich ist in dieser Altersgruppe auch die Internetnutzung höher)
Ist zwar ein super interessantes Tool, das mich als Marketing-Frau besonders interessiert. Nur leider ist es für unseren deutschen Markt so gar nicht geeignet. Abgesehen davon denke ich, dass es gar nicht möglich wäre ein solches Tool mit wirklich relevanten Daten zu füttern. Google wären die einzigen in meinen Augen, die so etwas, wenn überhaupt, könnten. So müssen wir uns weiter mit Tools wie dem Traffic Estimator etc. rumschlagen… und für weitere Erkenntnisse auf aktuelle Studien zurückgreifen.
@Der Trick beim Reiskochen ist nur, den genauen Zeitpunkt nicht zu verpassen, zu dem der Reis nicht zu hart und nicht zu weich ist ;)
@Crazy Girl: Informationen aus verschiedenen Quellen zu kombinieren ist natürlich wesentlich. Ich würde mich nie auf eine einzige Datenquelle verlassen, es ergeben sich aber teilweise brauchbare Arbeitshypothesen daraus.